Was ist Yin Yoga?

Yin Yoga ist eine san­fte Prax­is, regener­ierend und entspan­nend. Der US-Amerikan­er Bryan Kest, Erfind­er des Pow­er Yoga (ein dem Ash­tan­ga Yoga ver­wandter Yang-Stil), nen­nt seine Yin Yoga-Stun­den kurz und tre­f­fend LDS: long, deep, slow.

Yin Yoga wird vor­wiegend im Sitzen und Liegen prak­tiziert. Im Unter­schied zu den Yang-Stilen wer­den die einzel­nen Posi­tio­nen länger und mit entspan­nten Muskeln gehal­ten. Die Dehnun­gen sind pas­siv, d.h. wir nutzen das Gewicht des Kör­pers, nicht die jew­eili­gen Gegen­spiel­er der Muskeln für die Dehnun­gen. Dafür benutzen wir in der Regel Hil­f­s­mit­tel, wie Gurte, Bol­ster, Yogak­lötze oder Deck­en (→Anfängerkurse).

Training für die Faszien

Im Yin Yoga geht es vor allem um die Stim­u­la­tion von Kapseln, Bän­dern und Bindegewebe, weniger um die Kräf­ti­gung und Dehnung von Muskeln. Dieses Gewebe (neudeutsch: Faszien) zieht sich wie ein Spin­nen­netz durch den ganzen Kör­p­er, umhüllt Muskeln, Knochen, Gelenke und Organe und verbindet — wie die alte Beze­ich­nung sagt — alles miteinan­der. Ergeb­nis: Der Kör­p­er fühlt sich nach dem Train­ing leichter und beweglich­er an.

Genau wie Muskeln kön­nen Faszien Emo­tio­nen und Stress spe­ich­ern und dabei verkleben und ver­filzen. Durch Dehnung kön­nen die Fasern wieder aus­gerichtet, Stress und Verspan­nun­gen abge­baut wer­den. Allerd­ings sind Faszien weniger elastisch als Muskeln und benöti­gen einen größeren Reiz. Deshalb wer­den die einzel­nen Posi­tio­nen im Yin Yoga länger gehal­ten, typ­is­cher­weise für zwei oder mehr Minuten. Im Ash­tan­ga Yoga bleiben wir in der Regel nur fünf Atemzüge lang in den jew­eili­gen Asanas.

Eine sanfte Praxis

Mehrere Minuten in ein­er Posi­tion zu ver­weilen, kann für den Geist ziem­lich her­aus­fordernd sein. Anders als im Ash­tan­ga Yoga, wo wir nur auf das Geräusch des Atems hören, nutzen wir im Yin Yoga öfter auch Musik, um die Aufmerk­samkeit zu fokussieren. Wegen sein­er beruhi­gen­den Wirkung, eignet sich diese Art Yoga auch bestens für die späteren Abend­stun­den (→Kurszeit­en).

Neuer Name, alte Prax­is. Yin Yoga hat seine Wurzeln im chi­ne­sis­chen Dao­is­mus, wurde Mitte der 1980er Jahre von Paulie Zink “wieder­ent­deckt” — und von Paul Gril­ley und Sarah Pow­ers weit­er entwick­elt. Als Alter­na­tive zu bzw. Ergänzung von dynamis­chen Yang-Stilen, wie dem Ash­tan­ga Vinyasa Yoga, erfreut sich das Yin Yoga seit ein paar Jahren zunehmender Pop­u­lar­ität.